Der Traum von der nachgeholten Ponyzeit

Jessica Scharpf ist längst aus dem "eigentlichen Ponyalter" raus - mit dem lackschwarzen Harrison WE geht für sie jedoch ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. 

Die Vorstellung von dem perfekten Pony, mit der sich Familie Thees-Ovelgönne und Jessica Scharpf auf die Suche machten, kam Black Beauty sehr nahe: Schwarz sollte es sein, mit einem weißen Stern auf der Stirn. Gefunden wurde der heute neunjährige Henry-Sohn Harrison WE, der bei seiner Züchterin Hiltrud Heidkroß in Westerstede stand. "Als ich ihn für die damals achtjährige Carla ausprobieren sollte, wusste ich sofort - den oder keinen", strahlt Jessica Scharpf noch heute, "am liebsten hätte ich ihn selbst gekauft!"

Ganz leicht war der gemeinsame Weg von Jessica und Harrison WE nicht. Bislang war er nur den ruhigen Züchterstall gewöhnt, der Wechsel zur Vereinsanlage in Lohne, wo immer jede Menge Aktion ist, war für den schüchternen Rappen eine echte Herausforderung. "Für mich ist es das liebste Pony der Welt, man kann alles mit ihm machen, er ist ganz fein im Umgang und geht mit einem durch's Feuer", schwärmt seine Reiterin, "aber er war unglaublich schreckhaft, schüchtern und sehr speziell." Die ersten L-Dressuren, bei denen Harrison WE alleine im Viereck war, gestalteten sich schwierig. "Wenn er das Viereck jedoch vorher einmal gesehen hatte, war alles in Ordnung!" 

2016 und 2017 feierten Harrison WE und Jessica zahlreiche Siege und Platzierungen in Dressurprüfungen der Klasse L, ein besonderes Highlight war der Ponyforum Ü-16 Cup, eine Serie für erwachsene Ponyreiter. "Wir sind völlig ohne Erwartungen zum Finale gefahren und waren am Ende das beste Ü16-Ponypaar in der L-Tour!" In diesem Jahr wagten die beiden den Sprung in die Klasse M und das, obwohl es lange Zeit dauerte, bis Harrison WE die fliegenden Wechsel beherrschte: "Er ist ständig losgerannt und hat gebockt, am Anfang habe ich gedacht, es wird nie klappen."

Doch die Mühe zahlte sich mit der Weile aus, dazu haben sicherlich auch die Lehrgänge bei Cathryn Rippelbeck, Swantje Exeriede und Bernadette Brune beigetragen. "Irgendwann hat es dann geklappt, in unserer ersten M-Dressur waren wir auf Anhieb platziert und die zweite haben wir gewonnen", freut sich Jessica. Einen Start in der M-Tour im Ponyforum Ü-16 Cup wagte die 26-jährige Dressurreiterin aber noch nicht, das spart sie sich für das nächste Jahr auf.

Aus einer Reiterfamilie kommt Jessica ganz und gar nicht, ihre Eltern hatten nichts mit Pferden zu tun. Nach anfänglichem Unterricht in einer Reitschule und einem Sturz vom Pferd, der mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus endete, wollte sie eigentlich nichts mehr mit Pferden zu tun haben. 2002 ging es dann aber doch wieder zurück in den Sattel und Jessica entschied sich, das Reiten sogar zu ihrem Beruf zu machen. Die Reise ging von Mannheim nach Essen, wo sie auf dem Gestüt Sprehe ihre Ausbildung zur Pferdewirtin mit der Fachrichtung "Klassische Reitausbildung" erfolgreich absolvierte.

"Ich erinnere mich noch genau an die Worte von Georg Fischer damals: Du musst etwas mit Ponys machen!" Gesagt, getan - heute ist Jessica Scharpf selbstständig, wobei sie neben den Ponys auch Großpferde reitet. Die kompakten Vierbeiner sind trotzdem ihre Leidenschaft, vor allem natürlich ihr Herzenspony Harrison WE. "Es ist für mich wie eine nachgeholte Ponyzeit", erklärt Jessica. Besonders dankbar ist sie dabei auch seinen Besitzern: "Diana und Carla sind für mich wie eine zweite Familie!"

In der Zukunft ist Harrison WE für die bald elfjährige Carla bestimmt. Sie reitet ihn zur Zeit mit und konnte bereits den ersten großen Erfolg mit ihm auf dem Turnier feiern. Bei dem ersten gemeinsamen Start in einer Dressurprüfung Kl.A* in Bohmte kehrten die beiden mit einer goldenen Schleife nach Hause. Jessica Scharpf wird Harrison WE aber erst einmal weiter reiten. Zur Zeit feilen die beiden an den M**-Lektionen und wer weiß, vielleicht geht auch irgendwann der Traum von der ersten S-Dressur in Erfüllung!


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