Züchterrankings - Fluch oder Segen?

Unser Beitrag über die erfolgreichsten Züchter aus Schleswig-Holstein hat bei vielen Lesern für Gesprächsstoff gesorgt - völlig zurecht, denn eine Statistik ist immer nur so gut wie die ihr zugrundeliegenden Zahlen.

Jedes Jahr werden die verschiedensten Rankings veröffentlicht. Der am leichtesten zu ermittelnde Wert ist natürlich die Summe der in Deutschland erzielten Gewinngelder – ob nun für die Ponys selbst, die Hengstväter oder die Züchter. Aber ist einfach in dem Falle auch gut?

Bei den Top-Hengsten geht es nach der Gewinnsumme der Nachkommen, die Anzahl der Nachkommen bleibt jedoch unberücksichtigt. 2018 stand der legendäre Mentos an erster Stelle in der Kategorie "Springen" mit einer disziplinbezogenen N-JGS von 6.465 Euro bei 34 Nachkommen, Brinkum's Helmut belegt Platz sechs mit 3.582 Euro und zwei Nachkommen - mehr als die Hälfte der Gewinngelder bei gerade einmal einem Siebzehntel der im Sport verzeichneten Ponys. 

Bei einer disziplinbezogenen Rangierung der besten Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsponys kommt es auf deren Gewinnsummenpunkte an. Ein Sieg in einer A-Dressur bringt 36 Punkte, der Sieg beim Bundeschampionat 200 Punkte (dreijährige Reitponys). Und der Sieg bei den Europameisterschaften? Für diesen Erfolg sind keine Punkte vorgesehen, ebenso wie für deutsche Ponys, die im Ausland auf Schleifenjagd gehen. Der Dornik's Donovan-Sohn Der kleine König kehrte beispielsweise im vergangenen Jahr von der EM in Bishop Burton/GBR mit Team-Gold und Einzel-Bronze nach Hause, belegt im Ranking der besten Dressurponys allerdings "nur" Platz 57.

Das "Problem" der vernachlässigten Auslandserfolge spiegelt sich auch in der Rangierung der Züchter wider. In der Liste der erfolgreichsten Züchter aus Schleswig-Holstein/Hamburg steht Peter Böge mit 13.092 Euro und 75 gewinnreichen Ponys/Pferden klar an der Spitze des Feldes. Doch auch in diesem Fall bleiben zwei wichtige Erfolgsponys, der von ihm gezogene und für Dänemark startende Steendieks Prince of Glory und der ebenfalls aus seiner Zucht stammende und in Australien beheimatete Steendieks Champ of Glory, unberücksichtigt.

So gerne Rankings auch erstellt und von Usern genutzt werden, weil sie auf einen Blick Erfolg oder Misserfolg verdeutlichen, so dünn ist manchmal die Zahlengrundlage, auf denen sie fußen.